08.06.2017

Lufthansa setzt Großflughäfen unter Druck

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister, zuständig für Lufthansa, Swiss und Austrian, arbeitet an einer neuen Flugplan-Logik, um die Kunden künftig ertrags- und kostenoptimiert über die Drehkreuze zu schicken. Der Flughafen Frankfurt könnte dabei das Nachsehen haben.

08.06.2017, 11:08 Uhr

Noch stehen mehr als 70 Langstrecken-Flugzeuge der Lufthansa-Gruppe und damit das Gros der Großraum-Flotte am Flughafen Frankfurt. Doch das könnte sich bald ändern. Denn die Kosten am aktuell noch wichtigsten Lufthansa-Drehkreuz sind Hohmeister zu hoch. Er baut an einer neuen Steuerungslogik für die Umsteigepassagiere der gesamten Lufthansa-Gruppe. „Künftig wird die Umsteigegebühr der Flughäfen zum entscheidenden Faktor bei der Passagiersteuerung werden“, sagt Hohmeister gegenüber fvw: „Wir werden unsere Kunden über die Hubs lenken, in denen wir die höchsten Deckungsbeiträge erzielen können.“

Davon könnten die Drehkreuze Wien, Zürich und München profitieren. Den Flughafen Frankfurt indes könnte die neue Politik empfindlich treffen. Laut Hohmeister liegen die Kosten mit Bezug auf Umsteiger dort mitunter 20 Prozent über denen der anderen Hubs. „Bei den aktuellen Ticketpreisen ist das relevant. Logischerweise müssen wir daher von teuren Hubs die Verkehre wegsteuern“, erläutert der Lufthansa-Vorstand.

Schon 2018 soll das entsprechende System dahinter – es heiß Realtime Dynamic Pricing – für Lufthansa und Austrian Airlines stehen. Dann kann die flexible Steuerung der Umsteigepassagiere zwischen Lufthansa und ihrer österreichischen Schwester-Airline sowie zwischen den Drehkreuzen Frankfurt, München und Wien starten. Auch die Swiss und Zürich sollen eingebunden werden. „Damit steigt unsere Flexibilität weiter. Auch was die Stationierung der Flugzeuge angeht“, übt Hohmeister Druck auf die Großflughäfen aus, die künftig gegeneinander ausgespielt werden. Mit Frankfurt liegt Lufthansa seit längerem im Clinch, weil der dortige Betreiber Fraport Low Cost Carrier Ryanair mit hohen Neukunden-Rabatten angelockt hatte.

Reisende, die nicht an eine der drei Airline-Marken Lufthansa, Swiss oder Austrian gebunden sind, können von der neuen Logik preislich profitieren. Flexiblen Kunden will die Lufthansa künftig besonders attraktive Angebote machen. Über welches Drehkreuz und mit welcher Airline ein Kunde fliege, erfahre er dann – abhängig vom Flugpreis – künftig Wochen oder auch erst Tage vorm Abflug.

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